Hebamme

Windeln, Wickeln, Wochenbett: Ein Gespräch mit Hebamme Marie

Seit fast zehn Jahren begleitet Marie Familien durch Schwangerschaft, Geburt und die ersten Wochen mit Baby. Als Hebamme aus Schleswig-Holstein kennt sie die Fragen, die frischgebackene Eltern wirklich umtreiben – von der richtigen Windelgröße bis zum wunden Po, von der Erstausstattung bis zu den hartnäckigsten Baby-Mythen. Wir haben mit ihr gesprochen und sie gebeten, aus ihrem Alltag zu erzählen. Herausgekommen ist ein ehrlicher, praxisnaher Einblick, der werdenden und frischgebackenen Eltern Orientierung geben soll.

Wer ist Hebamme Marie?

Seit wann arbeitest du als Hebamme?

Inzwischen arbeite ich fast seit zehn Jahren als Hebamme.

Was hat dich damals zu diesem Beruf gebracht?

Ich wusste schon relativ früh, dass ich in den Gesundheitsbereich gerne möchte, und da habe ich dann in den Schulferien ein Praktikum gemacht bei einer Hebamme und durfte da die Arbeitsbereiche von Vorsorge, Geburt und auch Nachsorge kennenlernen und habe in diesem Rahmen auch meine erste Geburt gesehen. Und das war ein sehr, sehr emotionaler Schlüsselmoment für mich, und ab dem Zeitpunkt wusste ich, dass ich auch gerne Hebamme werden möchte.

Was schätzt du besonders an der Arbeit mit werdenden & frischgebackenen Eltern?

An meiner Arbeit schätze ich besonders die Abwechslung. Es ist nie gleich, jedes Paar ist anders, jedes Baby ist anders. Und da in dieser spannenden Lebensphase von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett zu begleiten, ist immer wieder schön aufs Neue.

Was ist das Schönste an deinem Job?

Ich finde es total schön, den Paaren Sicherheit zu geben und in dieser spannenden Lebensphase mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und zu sehen, wie sie auf dieser Reise selbst immer sicherer werden im Umgang mit dem Kind, sich gegenseitig kennenlernen und das Ganze positiv zu beeinflussen und zu begleiten – das ist immer sehr, sehr schön zu beobachten.

Was ist die größte Herausforderung, die Eltern in den ersten Wochen erleben?

Es ist erst mal total schwer, sich das wirklich vorstellen zu können, wie es mit so einem Kind so ist. Also viele unterschätzen das und denken, sie haben noch sehr, sehr viel Zeit für viele andere Dinge drum herum. Aber am Ende ist man doch sehr viel mit sich und dem Kind beschäftigt. Das wird oft unterschätzt, und diese Fremdbestimmung geht oft auch mit Schlafmangel einher. Das ist schon erst mal was, wo man reinwachsen muss, um es dann auch genießen zu können.

Die richtige Vorbereitung aufs Baby

Was unterschätzen werdende Eltern bei der Vorbereitung aufs Baby am häufigsten?

Da fällt mir jetzt gar nicht die eine Pauschale zu ein. Ganz grundsätzlich ist es wichtig, dass man nicht allzu spät mit den Vorbereitungen beginnt, weil es am Ende doch oft mehr Zeit einnimmt, als man so denkt. Also nicht nur das Babybett kaufen oder bestellen, sondern das muss ja auch noch aufgebaut oder eingestellt werden. Genauso gegebenenfalls mit dem Wickeltisch oder sich mal mit so einer Babyautoschale im Vorfeld zu beschäftigen, damit, wenn man das Baby dann mitnehmen möchte, auch alles passt und funktioniert und man nicht erst dann anfängt, sich damit auseinanderzusetzen. Das wird vielleicht ab und zu unterschätzt, aber nicht grundsätzlich bei allen. Auf jeden Fall ist es aber von Vorteil, wenn man sich vorher schon mal damit auseinandersetzt.

Ab wann würdest du empfehlen, mit der Erstausstattung anzufangen?

Das gibt es jetzt nicht so pauschal, ab der und der Schwangerschaftswoche. Paare sind sehr, sehr unterschiedlich: Einigen gibt es Sicherheit, früh damit anzufangen, mit dem Wissen „ich bin gut vorbereitet“, andere stresst schon der Gedanke, zu früh anzufangen, und die erledigen das alles gerne erst im letzten Schwangerschaftsdrittel. Ich persönlich würde das erste Trimester erst mal abwarten und mich erst mal auf die Schwangerschaft einstellen – da stehen auch noch mal ein paar andere Sachen im Vordergrund. Und in den letzten Wochen würde ich es auch nicht mehr planen, weil es ja immer sein kann, dass so ein Kind früher kommt. Auch ist der Zeitraum von drei Wochen vor dem errechneten Termin und zwei Wochen danach ein Zeitraum, in dem man sagt, das Kind ist am Termin geboren – das heißt, nur sehr wenige werden wirklich am Stichtag geboren. Das sollte man im Hinterkopf haben, damit man nicht alles auf den letzten Drücker erledigt, das schafft dann nur unnötig Stress. Deshalb: so Ende zweites, Anfang drittes Trimester ist eigentlich perfekt.

Was sind die 3 wichtigsten Dinge für die Grundausstattung?

Das ist schwer zu beantworten, weil jede Familie da wahrscheinlich andere Dinge nennen würde. Ich kann aber sagen: Bei vielen Familien ist es eine Trage – egal ob Tragetuch oder eine andere Trageunterstützung –, weil Babys ganz viel Körpernähe suchen und brauchen. Deshalb wird so eine Trage oft häufiger benutzt als der Kinderwagen. Trifft nicht auf alle zu, aber das wird wahrscheinlich einer dieser drei Punkte sein. Dann klar: Windeln. Und man muss nicht zu viel Kleidung haben, aber ein paar Basics, ein paar Bodys oder ein paar Strampler sind für den Start auch nicht verkehrt.

Was sind 3 Dinge, auf die Eltern getrost verzichten können?

Ganz oft ist es so, dass Eltern mehr kaufen oder denken, sie bräuchten mehr, als sie am Ende wirklich brauchen. Es gibt da wirklich ganz spannende Erfindungen, was so angeboten wird. Was man wirklich nicht braucht – ich habe da neulich zum Beispiel so einen „Bauchladen“ gesehen, der aussieht wie ein Rucksack, den man aufklappen und vor sich das Baby wie auf einem Tablett wickeln kann. Das stelle ich mir wenig freundlich für den eigenen Rücken vor, und ich hätte auch Sorge, dass das Kind darunter runterrollt. Da sollte man sich lieber einen geeigneteren Ort zum Wickeln suchen – das braucht man definitiv nicht. Genauso wenig irgendeinen Spritzschutz fürs Gesicht, damit das Baby einen nicht anspuckt – da musste ich auch ein bisschen lachen. So etwas braucht man wirklich nicht, darauf kann man getrost verzichten.

Was kaufen viele Eltern doppelt oder unnötig?

Die allermeisten haben zu viel Kleidung. Kleidung sollte auch nicht nur stylisch, sondern vor allem praktisch sein. Wenn es zum Beispiel in Größe 56 eine ganz steife Jeans ist, mag die vielleicht süß aussehen, aber sie soll auch bequem sein und nicht am Bauch drücken oder einschnüren. Gerade am Anfang liegen Kinder auch noch viel auf dem Rücken, da sollten keine dicken Nähte sein. Jeans oder auch Babyschuhe braucht man am Anfang wirklich nicht – das wäre vielleicht etwas, worauf man verzichten kann, oder was man höchstens einmal für ein Babyfoto anzieht, aber nicht für den täglichen Gebrauch.

Was würdest du selbst nie ohne Baby-Erfahrung gewusst haben?

Wie anstrengend das teilweise sein kann, wenn man wirklich mittendrin steckt. Es ist immer leichter, von außen irgendwelche Ratschläge zu geben – von außen sieht vieles oft leichter aus. Aber wenn man wirklich 24/7 mit dem Kind zusammen ist und auch oft mit Schlafmangel zu kämpfen hat oder die eigenen Bedürfnisse zurückstellt, dann ist es leichter gesagt, mal durchzuatmen oder ruhig zu bleiben, als wenn man schon Tage oder Wochen das Kind begleitet und es sehr unruhig ist und viel weint. Da hat man dann einfach noch mal mehr Verständnis, weil man weiß, wie herausfordernd und anstrengend das teilweise sein kann.

Was ist der wichtigste Tipp für die ersten 48 Stunden zu Hause?

Ich würde wirklich allen empfehlen, alle Stressfaktoren, die irgendwie anfallen könnten, schon im Vorfeld auszuschalten. Also wenn möglich, gerne schon Essen vorkochen und einfrieren oder am Tag selbst bestellen oder etwas Einfaches machen. Gerne Verwandten und Freunden sagen, dass man sich selbst meldet, wenn Besuch gewünscht ist – keiner sollte unangekündigt als Überraschungsbesuch vor der Tür stehen. Am allerschönsten ist es, wenn man sich die Zeit nehmen kann, sich mit dem Baby einfach ins Bett zu kuscheln, damit die Milchbildung gut in Gang kommt, wenn man stillen möchte – und diese erste Kuschelzeit mit ganz viel Haut-zu-Haut-Kontakt zu genießen. Erst mal realisieren, dass das Baby da ist – das kann so wunderschön sein. Besuch und alle anderen Verpflichtungen können warten, darauf kann man sich dann später freuen. Für die ersten 48 Stunden würde ich wirklich versuchen, sich vorher kein Programm zu überlegen und einfach nur sich gegenseitig kennenzulernen und die Zeit zu genießen.

Wie können sich Eltern mental auf die erste Zeit vorbereiten?

Da würde ich wahrscheinlich einfach erst mal einen Geburtsvorbereitungskurs empfehlen, weil es schwierig ist, das pauschal in wenigen Sätzen zu beantworten. Ich bin der Meinung, man wächst auch mit seinen Aufgaben – es gibt keine mentalen Übungen, die man vorher machen kann, nach denen einen nichts mehr schocken kann. Wenn man flexibel und offen für Veränderung bleibt, ist das wahrscheinlich keine schlechte Voraussetzung. Aber ich würde allen empfehlen, gerade beim ersten Kind, einen Geburtsvorbereitungskurs zu machen, weil man sich da noch mal ganz viel mit dem Thema beschäftigt: Welche Herausforderungen kommen auf einen zu, wie kann man sich gut vorbereiten, und man lernt auch andere Paare kennen, mit denen man sich austauschen kann. Auch der Austausch ist ganz, ganz wichtig, sowohl für Mütter als auch für Väter. Von daher würde ich in allererster Linie einen Geburtsvorbereitungskurs und den sozialen Austausch mit anderen empfehlen.

Was würdest du dir wünschen, dass mehr Eltern schon vor der Geburt wüssten?

Dass oft weniger mehr ist – man braucht oft gar nicht so viele Dinge, sondern eher mehr Zeit. Es ist total gewinnbringend, wenn man in diesen ersten paar Wochen zu Hause nicht auf sich allein gestellt ist, sondern wenn Partner, Partnerin oder auch Familie da sind, die einfach unterstützen können, und dass man sich wenig vornimmt und offen dafür ist, was kommt.

Windelgröße & die richtige Passform

Wie finden Eltern die richtige Windelgröße für ihr Baby?

Die richtige Windelgröße für das Baby findet man am besten über die Beschriftung auf der Windelpackung. Da steht immer, von wie viel Kilo bis wie viel Kilo diese Windel geeignet ist. Ich würde aber, ehrlich gesagt, wenn zum Beispiel eine Spanne von 2,5 bis 3,5 Kilo angegeben ist und das Kind schon fast 3,5 Kilo wiegt, eher schon die nächste Größe kaufen, weil diese Größenangaben oft überlappen.

Woran erkennt man, dass eine Windel zu klein oder zu groß ist?

Wenn eine Windel zu klein ist, erkennt man das daran, dass sie oft an den Leisten, an diesem Bündchen, einschnürt. Wenn man da sieht, dass es rot ist, saß sie wahrscheinlich zu fest. Und wenn sie zu klein ist, läuft sie auch häufiger aus, weil die Windel sowohl vorne als auch am Rücken nicht hoch genug sitzt, sodass der Windelinhalt schneller auslaufen kann. Darauf würde ich immer achten. Zu groß ist eine Windel dann, wenn das Beinbündchen nicht richtig abschließt – wenn man die Windel schließt und trotzdem an den Oberschenkeln die Windel nicht richtig anliegt, kann der Inhalt ebenfalls auslaufen, und auch das ist nicht optimal. Auch die Verschlüsse können ein Anzeichen sein: Wenn man die Windel schließt, sollte sie links und rechts möglichst genau auf die dafür vorgesehene Klettvorrichtung passen. Wenn die Verschlüsse stark überlappen müssen, damit die Windel am Bauch sitzt, ist sie noch zu groß – und zu klein ist sie, wenn man sie kaum noch schließen kann.

Wie schnell wachsen Babys aus einer Windelgröße heraus?

Wie schnell ein Baby aus einer Windelgröße herauswächst, kann sehr individuell sein. Babys wachsen eher nicht linear, sondern häufig in Schüben, und diese Schübe können sehr individuell sein – das kann man also nicht pauschal sagen. Es ist nie verkehrt, ein paar Windeln auf Vorrat zu Hause zu haben, falls mal am Wochenende oder an einem Tag mehr benötigt werden. Aber ich würde nicht zu viel auf Vorrat kaufen, weil es sein kann, dass der nächste Wachstumsschub bevorsteht und dann schon die nächste Größe besser sitzt.

Sollte man vor der Geburt schon mehrere Größen kaufen?

Es ist nicht unbedingt notwendig, schon vor der Geburt mehrere Größen zu kaufen. Man kann es machen, wenn man möchte, allerdings hat man dann weniger Spielraum, falls eine Windelmarke doch nicht so gut sitzt oder man unzufrieden ist und eine andere Marke ausprobieren möchte – dann hat man ja schon die nächste Größe gekauft. Von daher ist es gar nicht verkehrt, erst mal bei der ersten Windelgröße zu bleiben, um zu schauen, mit welcher Windelmarke man am besten zurechtkommt, welche einem am besten gefällt und welche für das Baby so ist, dass es nicht darauf reagiert und keine Hautreizung auftritt. Wenn man dann eine geeignete gefunden hat, kann man auch in der nächsten Größe kaufen – aber ich würde nicht zu viel im Voraus einkaufen.

Was sind typische Zeichen für eine schlecht sitzende Windel?

Typische Zeichen für eine schlecht sitzende Windel sind zum Beispiel, wenn irgendetwas einschnürt – wie gesagt, häufig an den Oberschenkeln, wenn es dort einschnürt oder rot wird, dann sitzt sie zu eng oder ist unpassend. Genauso, wenn sie am Rücken runterrutscht: Sie sollte sich optimal an das Kind anpassen, und wenn sie am Rücken runterrutscht, kann es schneller passieren, dass die Windel ausläuft. Sie sollte sich grundsätzlich gut ans Kind anpassen, sich weich und angenehm anfühlen. Am Ende muss man das von Kind zu Kind anschauen, ob das die Kriterien erfüllt.

Worauf sollte man bei Neugeborenen-Windeln besonders achten?

Bei Neugeborenen-Windeln würde ich besonders darauf achten, dass sie nirgends drücken oder einschnüren, dass sie sich gut ans Neugeborene anpassen und keine Hautreaktion hervorrufen. Wenn man das Gefühl hat, dass das Kind auf bestimmte Windelstoffe oder -inhalte reagiert, sollte man auf jeden Fall versuchen, die Windelmarke zu wechseln, um zu sehen, ob das eine Verbesserung bringt. Viele Neugeborenen-Windeln haben außerdem, um es Neu-Eltern zu erleichtern, einen Urinstreifen, der sich verfärbt, wenn die Windel voll ist – das kann gerade in den ersten Wochen oder Monaten helfen zu erkennen, ob schon Urin in der Windel ist.

Der Windelwechsel im Alltag

Wie oft sollte man ein Neugeborenes wickeln?

Es gibt keine konkrete Anzahl, wie oft man ein Neugeborenes innerhalb von 24 Stunden wickeln sollte, aber als grober Richtwert sind es ungefähr acht Mal in 24 Stunden. Am Anfang ist es noch deutlich häufiger als bei einem älteren Baby, weil auch deutlich häufiger Stuhlgang dabei ist. Aber auch da würde ich immer empfehlen, individuell auf das Neugeborene zu achten und nicht nach einem starren Zeitschema vorzugehen: Wenn man hört oder riecht, dass die Windel voll ist, würde ich sie immer zeitnah wechseln, um einem wunden Po vorzubeugen. Ist die Windel aber trocken und noch nichts drin, besteht keine Notwendigkeit, sie zu wechseln. Also immer individuell schauen, was das Kind gerade braucht – aber ungefähr acht Mal in 24 Stunden kommt gut hin.

Was sind die häufigsten Anfängerfehler beim Windelwechsel?

Die häufigsten Anfängerfehler beim Windelwechsel sind, dass am Anfang oft noch die Routine fehlt – mit der entsprechenden Übung und den richtigen Handgriffen wird es dann auch sehr viel besser und schneller. Viele machen den Fehler, dass der Rückenteil der Windel zu tief angesetzt wird – die Windel müsste etwas höher sitzen –, und viele sind auch noch zu zögerlich beim Schließen der Windel. Oft ist sie dann zu locker und läuft dadurch aus, entweder am Rücken oder an den Seitenbündchen. Sie sollte immer so verschlossen werden, dass noch ein bis zwei Querfinger Platz am Bauch sind – nicht zu eng, aber auf jeden Fall anliegend und nicht zu weit abstehend, da sie sonst nicht dicht hält.

Hast du einen Tipp für das Windelwechseln in der Nacht?

Beim Windelwechsel in der Nacht ist es besonders von Vorteil, kein großes Licht anzumachen, sondern nur ein kleines, gedimmtes Licht zu verwenden, und sich auch nicht groß mit dem Kind zu unterhalten. Das hilft dabei, dass sich der Tag-Nacht-Rhythmus schneller einspielt. Tagsüber ist es dagegen total gewünscht, mit dem Kind zu interagieren – mit Stimmlage und Mimik, man kann auch kleine Bewegungsspiele am Wickeltisch machen, damit es nicht nur ums Windelwechseln und Reinigen geht, sondern auch um ganz viel Interaktion zwischen Erwachsenem und Kind. In der Nacht würde ich das aber nicht empfehlen – da würde ich wirklich nur den Intimbereich reinigen und die nächste Windel anlegen, damit alle möglichst schnell wieder in den Schlaf finden.

Was hilft, wenn das Baby beim Wickeln unruhig ist?

Wenn das Baby beim Wickeln unruhig ist, kann man zum Beispiel, wenn man zu zweit am Wickeltisch ist, mit den Armen und Händen das Kind sanft auf den eigenen Bauch legen, sodass es eine Art Begrenzung spürt – das kennt es auch schon aus dem Mutterleib. Am Anfang macht ihnen oft diese große, weite Welt ein bisschen Angst: Wenn sie die Arme nach außen schlagen, entsteht das Gefühl „wo fange ich an, wo höre ich auf“. Deshalb beruhigt es viele Kinder, wenn sie die Hand der Eltern zum Beispiel auf dem eigenen Arm oder den Händen spüren, oder auch eine Hand am Kopf kann helfen. Wichtig ist auch immer die Kommunikation mit dem Kind – ich würde dabei immer mit dem Kind sprechen, beruhigen und erklären, was man gerade macht. Das kann sehr helfen, aber man kann es nicht immer ganz vermeiden – manche Babys finden Wickeln einfach doof. Man kann auch versuchen, ein Spielzeug mit an den Wickeltisch zu nehmen, wenn das Kind etwas älter ist, oder ein Mobile, das es sich anschauen kann, damit es in der Zeit beschäftigt ist. Das sind so ein paar Ideen, die man ausprobieren kann.

Baby-Haut & wunder Po

Wie kann man einem wunden Po vorbeugen?

Einem wunden Po kann man am besten vorbeugen, indem man regelmäßig wickelt und, sobald man merkt, dass die Windel voll ist, direkt wechselt. Sehr gut ist es auch, dem Po einfach mal Luft zu lassen – also nicht direkt die nächste Windel umzumachen, sondern, wenn man Zeit hat und das Kind auf dem Wickeltisch oder auf einer Decke am Boden nicht auskühlt, es sich mal ohne Windel bewegen zu lassen und frische Luft ranzulassen – das bewirkt manchmal wahre Wunder. Wenn man diese Zeit zwischendurch nicht hat, ist das völlig normal, das muss nicht jedes Mal sein. Man sollte aber trotzdem darauf achten, dass der Windelbereich wieder trocken ist, bevor man die nächste Windel anlegt, denn Feuchtigkeit begünstigt einen wunden Po – gerade wenn man Feuchttücher oder auch trockene Tücher mit Wasser benutzt, arbeitet man ja immer mit Feuchtigkeit. Bevor die neue Windel angelegt wird, sollte man also darauf achten, dass alles sauber und trocken ist. Damit ist schon viel gewonnen.

Was hilft am besten, wenn der Po schon wund ist?

Wenn der Po schon wund ist, würde ich noch mehr darauf achten, regelmäßig zu wechseln, damit Stuhlgang möglichst schnell wieder entfernt wird und die Haut nicht noch mehr gereizt wird. Ich würde auch darauf achten, nicht zu viel zu wischen, sondern nur so viel Reibung wie nötig – gerne auch tupfen, wenn es dadurch sauber wird – und dabei so vorsichtig wie möglich vorzugehen. Man kann außerdem eine Wundschutzcreme auftragen, die dafür sorgt, dass die entsprechende Stelle möglichst schnell verheilt, und den Heilungsprozess zusätzlich unterstützt.

Wie oft sollte man Baby-Haut eincremen?

Ganz grundsätzlich braucht man Babyhaut nicht standardmäßig einzucremen – die Haut hat die Fähigkeit, sich selbst rückzufetten. Gerade ganz am Anfang schuppt sich die Haut manchmal etwas, wenn das Baby ein paar Tage über dem Geburtstermin im Fruchtwasser war, aber das schafft die Haut meistens von ganz allein. Wenn sie aber rot oder rissig wird, würde ich eine Creme ohne Paraffin auftragen, um die Wundheilung zusätzlich zu unterstützen. Wenn man möchte, zum Beispiel für eine Babymassage, kann man auch gerne ein Babyöl nehmen – dabei immer darauf achten, dass es ohne Paraffinzusatz ist, genauso bei einer Babycreme. Dann kann man das gut zwischendurch benutzen, wenn man das Bedürfnis danach hat.

Wann sollte man bei Hautproblemen einen Arzt aufsuchen?

Bei Hautproblemen kann man erst mal die Hebamme fragen, da sie ja sowieso regelmäßig nach Hause kommt – so bekommt man schon eine erste Einschätzung, und es kann sein, dass die Hebamme Entwarnung geben kann, sodass man gar nicht erst zum Arzt muss, weil es sich um etwas Harmloses handelt. Ansonsten kann man natürlich immer, wenn man sich unsicher ist, den Arzt aufsuchen. Wenn aber ein Hautproblem da ist, das sich verschlimmert oder mit Beschwerden einhergeht, würde ich es grundsätzlich lieber einmal abklären lassen.

Was sind typische Anzeichen einer Windeldermatitis?

Typische Anzeichen einer Windeldermatitis sind zum einen Rötungen der Haut im Windelbereich, oft auch wunde oder gereizte Stellen, bei denen das Baby empfindlich auf Berührung reagiert. Es können auch kleinere rote Flecken oder Papeln sein, die sich gegebenenfalls ausbreiten. Manchmal ist die Haut auch eher schuppig oder glänzend – das kann sehr unterschiedlich aussehen. Oft sind die Babys, wie gesagt, unruhig beim Wickeln, weil sie Schmerzen haben und es unangenehm ist. In sehr starken Fällen können auch kleine Bläschen oder nässende Stellen auftreten.

Gibt es bei Windeln Inhaltsstoffe, vor denen du warnst?

Es gibt jetzt nicht den einen Inhaltsstoff, auf den alle Kinder reagieren – das ist wieder sehr individuell. Das würde ich immer mit dem eigenen Kind ausprobieren, und wenn Anzeichen von Rötung oder Wundsein auftreten, ist es immer eine Option, die Windelmarke zu wechseln, weil eine andere Windel vielleicht eine andere Zusammensetzung hat. Von daher würde ich eher individuell ausprobieren, statt vor einem bestimmten Inhaltsstoff zu warnen.

Mythen rund ums Baby

Welcher Ratschlag rund um Babys hält sich hartnäckig, obwohl er nicht stimmt?

Viele denken bis heute, es sei sinnvoll, das Baby auch mal schreien zu lassen, damit sich die Lunge stärkt. Das ist heutzutage aber nicht mehr aktuell – das hat man früher geglaubt oder als Empfehlung weitergegeben. Oft sind es noch die älteren Generationen, bei denen sich das so im Kopf gehalten hat, aber heute weiß man es besser: Es ist total wichtig, auf alle Bedürfnisse des Kindes bestmöglich einzugehen, um die tiefe Bindung zu stärken und dem Kind Vertrauen in die Welt mitzugeben. Es allein zu lassen und weinen zu lassen wäre fatal und wird heute absolut nicht mehr empfohlen.

Was überrascht frischgebackene Eltern am meisten, wenn du es ihnen erklärst?

Viele frischgebackene Eltern sind erst mal überrascht, wenn sie merken, wie viel Nähe so ein Baby braucht. Viele denken, sie können es auch mal für mehrere Stunden ablegen und es schläft im Bettchen oder im Kinderwagen – aber viele Babys fordern deutlich mehr Körperkontakt. Das ist auch der Grund, weshalb vielen die Trage in den ersten Monaten im Alltag hilft, weil das Baby dann bei ihnen sein kann, während sie etwas anderes erledigen. Viele Eltern sind überrascht, weil das einfach der Ort ist, an dem sich Babys am wohlsten fühlen – der bekannte Geruch, der Herzschlag, die Körperwärme, dort wissen sie sich in Sicherheit. Das hat auch evolutionsbiologische Gründe: Früher wusste man nie, wann ein Säbelzahntiger um die Ecke kommt, und Babys sind auf die Unterstützung der Erwachsenen, in dem Fall der Eltern, angewiesen, um zu überleben. Werden sie allein gelassen, sind sie hilflos und schutzlos – deshalb fordern sie diese Sicherheit ein.

Zum Abschluss: Maries Tipp für alle Eltern

Was möchtest du Eltern zum Abschluss mit auf den Weg geben?

Dass es nicht immer den einen perfekten Weg oder die eine Lösung für ein Problem gibt, sondern oft viele verschiedene Wege, die alle ihre Berechtigung haben können. Dass man gerne toleranter im Umgang miteinander sein sollte und sich nicht zu schnell ein voreiliges Urteil bildet, wenn man eine andere Mutter oder einen anderen Vater sieht – sondern immer im Hinterkopf behält: Wer weiß, was die in den letzten Tagen schon alles durchgemacht haben. Dass wir alle ein bisschen nachsichtiger miteinander sein sollten.

Wenn du nur einen Satz zum Thema Windeln sagen dürftest – welcher wäre das?

Das Wichtigste zum Thema Windeln: Die beste Windel ist die, mit der sich euer Baby wohlfühlt und die zuverlässig trocken hält.

Marie bringt es am Ende selbst auf den Punkt: Es gibt nicht die eine richtige Art, Eltern zu sein – nur den eigenen Weg, der zu Baby und Familie passt. Genau diese Gelassenheit wünschen wir allen werdenden und frischgebackenen Eltern da draußen. Und falls die Windelfrage gerade ganz oben auf der To-do-Liste steht: Am Ende zählt, wie Marie sagt, vor allem eins – dass sich euer Baby wohlfühlt und trocken bleibt.

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